Orchideen gießen

Über das Gießen von Orchideen wird viel Mist erzählt, wie zum Beispiel dass ein Schnapsglas voll Wasser pro Woche ausreichend wäre. Für ein großes Exemplar kann diese Menge zu wenig sein und für ein kleines zu viel. Wichtig ist es, das gilt auch für die Pflege von anderen Pflanzen, die Bedürfnisse der jeweiligen Art zu kennen.

Orchidee-Schnapsglas

Die kleine Tolumnia würde in dieser Wassermange ertrinken und die große Cymbidium verdursten. Zumindest während der heißen Sommerwochen.

Wann, wie häufig und in welcher Menge gegossen werden muss, richtet sich nach
  • den individuellen Bedürfnissen der jeweiligen Art,
  • der Größe der Pflanze im Verhältnis zum Topf,
  • Temperatur und Jahreszeit,
  • sowie der Art der Kultur, zum Beispiel aufgebunden oder getopft.

Im Sommer, wenn sich Pflanzen im Wachstum befinden und es warm ist, steigt auch ihr Wasserbedarf. Zudem trocknet das Substrat während dieser Zeit schneller aus.

Terrestrische Orchideen (in der Erde wachsende) stellen andere Bedürfnisse als Epiphyten (Aufsitzerpflanzen), die im natürlichen Lebensraum ihren Flüssigkeitsbedarf durch Tau und Regen decken.

Nachfolgend möchte ich 3 Gießmethoden vorstellen.

Durchdringend gießen

Viele Orchideen können durchdringend gegossen werden. Man gießt, bis das Wasser in den Untersetzer läuft. Damit das Substrat möglichst viel davon aufnehmen kann, wird es dort für einige Minuten bis zu maximal 3 Stunden belassen.

So gieße ich vom Frühjahr bis in den Herbst, während sich die Pflanzen im Wachstum befinden, blühen oder neue Triebe bilden. Für den kühlen Winterstandort oder Orchideen in einer Ruhephase, eignet sich diese Methode nicht – außer es handelt sich um sumpfig wachsende Arten.

Tolumnia Jairak Firm

Die fleischigen Blätter von Tolumnia „Jairak Firm“ speichern Wasser. Dadurch kann sie kurze Trockenzeiten überleben.

Tauchen

Gerne wird empfohlen, Orchideen zu tauchen. Den Topf solange in einen mit Wasser gefüllten Eimer zu halten, bis sich das Substrat damit vollgesogen hat. Das klingt sehr professionell, ist aber meines Erachtens Beschäftigungstherapie. Das durchdringende Gießen hat den selben Effekt.

Sprühen

Besprüht werden Pflanzen zumeist, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen, was mit dieser Methode jedoch nicht dauerhaft zu erreichen ist. Sie hat aber einen schönen Nebeneffekt: Sie versorgt die Orchideen täglich mit Wasser, falls das Substrat etwas trockener gerät.

Das Sprühen eignet sich vor allem für epiphytische Arten, die über den Topf hinauswachsende Luftwurzeln bilden oder aufgebunden kultiviert werden. Die Minis in den kleinen Töpfen lassen sich so sehr gut gießen. Oder Orchideen, die sich in der Ruhephase befinden, aber nicht ganz austrocknen sollen.

Gesprüht wird am besten morgens, sodass das Wasser den Tag über verdunsten kann.

Phalaenopsis schilleriana

Die Wurzeln von Phalaenopsis schilleriana

Das richtige Wasser

Orchideen mussten sich an verschiedene Lebensräume anpassen. Wachsen sie zum Beispiel epiphytisch, decken sie ihren Flüssigkeitsbedarf über den Regen oder Tau. Diese Arten können empfindlich auf kalkhaltiges Wasser reagieren. Dass ihnen dieses Wasser schlecht bekommt, zeigen sie oft erst nach Monaten.

Mit dem Sammeln von Regenwasser müssen sie aber nicht beginnen. Leitungswasser lässt sich gut mit einem handelsüblichen Wasserfilter entmineralisieren. Wie oft gefiltert werden muss, ist abhängig vom Härtegrad. Je länger die Patrone im Einsatz ist, desto geringer wird die Filterleistung.

Die populären Hybriden, also Orchideen die in Bau- und Supermärkten angeboten werden, vertragen dieses Wasser nach meinen Beobachtungen sehr gut. Oder können mit unbehandeltem Leitungswasser gegossen werden.

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